Sicherheit im industriellen Datenraum: 4.0 braucht Vertrauen in Mensch und Technik

Industrie 4.0 ist mehr als fortschreitende Automation. Noch schneller arbeitende Maschinen sind Industrie 3.5 oder 3.6. Die vierte industrielle Revolution aber passiert auf der Datenebene. Die Idee ist, so viele Daten wie möglich zu sammeln, die durch neue Kombinationen und Analysen neue Ergebnisse und damit neue Effekte ermöglichen. Effekte, die Flexibilität, Produktivität und Effizienz verbessern, aber letztlich (unter dem Stichwort Losgröße Eins) auch die Kundenzufriedenheit steigern. Das geht natürlich nur, wenn alle Daten im Netzwerk sicher sind. SICK als Sicherheitsexperte engagiert sich deshalb seit der ersten Stunde im Industrial Data Space e.V. Datensicherheit zieht sich in Industrie 4.0 durch die gesamte Wertschöpfungskette. Von der Erhebung der Daten über Transfer und Speicherung bis hin zur Verarbeitung muss das Netz vor Ausfällen und Missbrauch gesichert sein. Während die Technik durchaus schon sichere Leitungen und Datenräume gewährleistet, sehen Kritiker Schwachstellen in den „Soft Skills“ des Netzwerks: Können sich Datenanbieter darauf verlassen, dass ihre Datenhoheit und Bedingungen eingehalten werden? Wissen Datennutzer, ob die gelieferten Daten authentisch sind? Was sind Daten überhaupt wert? Wie überprüft man einen solchen Datenmarktplatz? Kurzum: Wie kann ein Netzwerk, das seine Offenheit ausmacht, möglichst gezielt abgesichert werden und dennoch zugänglich bleiben? Es sind dieselben Fragen, die seit geraumer Zeit bei vielen Innovationstreibern aufkommen.

Industrial Data Space e.V.: Gemeinsame Grundlagen schaffen

Das hat unter anderem die Fraunhofer-Gesellschaft in den letzten Jahren erkannt und die Gründung des Industrial Data Space e.V. initiiert. Ziel ist, die Expertise und Innovationskraft von Entwicklern, Herstellern und potentiellen Nutzern zu bündeln, um eine gemeinsame Basis für die Entwicklung und Nutzung des Industrial Data Space auf europäischem Boden, aber auch international, zu fördern. Dabei geht es weniger darum, die Infrastruktur zu revolutionieren. Die Idee ist vielmehr, in den bestehenden Strukturen die vernetzte Nutzung für alle gleichermaßen möglich zu machen. Zusammen mit Partnern aus Wirtschaft, Forschung und Politik wurde deshalb im Januar 2016 der Gründungsvertrag unterzeichnet. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Projekt. In dieser Zusammensetzung ist der Industrial Data Space e.V. dringend notwendig für die nachhaltige Gestaltung eines gemeinsamen Datenraumes für die Industrie 4.0. Wenn das Ziel sein soll, dass Zulieferer, Hersteller, Logistik, Vertrieb, Dienstleister und Handel dasselbe Netzwerk nutzen, sollten auch alle bei der Konzeption dabei sein. Mehr noch: Sie sollten an einem Strang ziehen. Nur so kann sich ein Standard ergeben, in dem alle arbeiten können, auf Basis von gemeinsamer Datenarchitektur, Datensprache und Regeln. Der Industrial Data Space e.V. gibt uns die Möglichkeit, diese gemeinsame Linie auszuloten. Denn Unternehmen werden Daten für die Industrie 4.0 erst bereitstellen, wenn sie auf die Sicherheit im Datenraum absolut vertrauen können. Je eher das passiert, desto besser – wer im Wettlauf zur Industrie 4.0 schnell ist, stellt die Weichen für die Industrie von morgen.

 

Intelligente Schnittstellen für die Systeme der Zukunft

Zusammen mit den großen Namen der Gründerliste – Bosch, ThyssenKrupp, Boehringer Ingelheim oder VW – hat SICK seinen festen Platz in diesem Gefüge. Unsere Produkte und Systemlösungen stehen ganz am Anfang der vernetzten Industriewertschöpfungskette. Wenn man vom Menschen absieht, ist die Sensorik in der Produktion die einzige Datenquelle. An dieser Stelle ist schon viel Potenzial herauszuholen: Je intelligenter die Sensoren in ihrer Datenerfassung sind, desto intelligenter lässt sich die datengestützte Kollaboration von Mensch und Maschine und die Kommunikation zwischen Zulieferern, Herstellern und Kunden gestalten. Diese Intelligenz ergibt sich bei SICK-Sensoren durch gezielte Datensammlung, durch individuelle Konfigurierung, durch universelle Schnittstellen. Die aktive Zusammenarbeit von Maschinenbauern, Zulieferern, Produzenten, Softwareentwicklern und Logistikern macht den industriellen Datenraum 4.0 greifbar. Der Industrial Data Space e.V. setzt dabei auf Systemlösungen mit neuen Komponenten. Der Fokus liegt auf den Schnittstellen, an denen das eigentliche Handling mit Daten stattfindet: Bereitstellung, Austausch, Zugriff. Intelligente Applikationen sollen die gesammelten Daten möglichst passgenau auf die gewünschte Anwendung hin analysieren. Konnektoren bündeln Ergebnisse aus kleineren Datenräumen und fungieren als Filter für die Weitergabe nach außen. Übergeordnete Datenbroker müssen Einsicht in alle Daten haben und potentiellen Datennutzern bei der Suche helfen. Das ist die Vision für die Datensicherheit der Zukunft. Es gilt, schnell Grundlagen zu schaffen, und auch die weiteren Schritte voran zu treiben – stetig, denn die digitale Welt schläft nicht. Morgen ist heute schon gestern: Wenn wir den Anschluss an Morgen und die Perspektive auf Übermorgen verpassen, passiert die Zukunft ohne uns.

ÜBER DEN AUTOR

Seit 2009 ist Bernhard Müller in der Geschäftsleitung der SICK AG und dort seit Juli 2015 verantwortlich für das Thema Industrie 4.0. Mehr als 25 Jahre beschäftigt er sich mit der Qualifizierung der Datenübertagung in den weltweiten Netzen verschiedener Telekom-Anbieter. Er war als Geschäftsführer in führenden Unternehmen der Telekommunikations-Messtechnik tätig. Die vernetzte Kommunikation begleitet ihn bereits seit seinem Studium der Elektrotechnik mit Schwerpunkt Nachrichtenmesstechnik.